29.03.2019 -
Viktoria
Lieber Simon, lieber Jan,
ich möchte euch für den schönen Abend gestern im Rosenau danken. Es gibt allerdings einen Wermutstropfen für mich, wenn ich an den gestrigen Abend denke:
Ich halte es für keine gute oder konstruktive Form der Kommunikation, wenn ihr, statt euch mit politischen Gegnern wie der AfD auseinanderzusetzen, Gewaltverherrlichung gegenüber diesen Menschen betreibt.
Was auch immer ein Mensch tut – egal ob Vergewaltiger, Mörder, AfD-Politiker – es ist nicht in Ordnung, darüber zu phantasieren, ihm Betonschuhe zu verpassen oder ihn gar ganz einzubetonieren, um „Beton zu sparen“. Ein Menschenleben ist in jedem Fall mehr wert als sein Volumen in Beton und Gewalt ist niemals eine Lösung.
Ja ja, ich weiß, das war ein Witz und ihr habt das gleich relativiert, weil ihr eigentlich etwas Freundliches sagen wolltet – nur glaubt man euch das angesichts der ausgefeilten Rede über Betonschuhe erstens nicht, und zweitens macht es das Gesagte nicht ungesagt.
Eure Worte tragen dazu bei, die Spaltung unserer Gesellschaft weiter voranzutreiben. Aus politischen Gegnern Erzfeinde zu machen. Statt Worten lieber Fäuste oder Beton zu verwenden. Beide Seiten radikalisieren sich, angespornt durch Vorbilder, die auf der Bühne stehen und Vorschläge zum Umgang mit Nazis geben. Diese ziehen zwar wahrscheinlich nicht direkt Straftaten nach sich, vermitteln aber zumindest ein Gefühl davon, dass diese Taten, wenn sie gegen Nazis verübt werden, schon nicht so schlimm sind.
Ich hoffe, ihr seid bereit, euch diese Worte einmal durch den Kopf gehen zu lassen, statt die abweichende Meinung nur zu verdammen und schon mal den Beton anzurühren.
Freundliche Grüße
Viktoria